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Politikerkonsorten

Vom Nachtflugei

Manchmal gibt’s Sachen, bei denen man sich hinterher denkt: das gibt’s ja eigentlich garnicht.

Neulich twitterte ich den folgenden Satz im Rahmen der unerfreulichen Beschlüsse zur Umgehung des Nachtflugverbots

Und wenn #RoKo nach #Rüsselsheim kommt, werf ich ein Ei auf seinen Dienstwagen wegen dem Nachtflugverbrechen … #nononono #Nachtflugei :)

Am Smiley hintendran und der Bezeichnung “Nachtflugei” hätte man vielleicht schon erkennen können, dass es sich um einen Scherz handelte, muß man aber nicht erkennen, machen wir also mal weiter.

Erstmal ein kurzer Exkurs, was ist twitter überhaupt: es handelt sich dabei um einen relativ neuen Internetdienst, mit dem die Benutzer Kurznachrichten austauschen können – fast identisch mit SMS, nur ist twitter öffentlich und jeder kann die Nachrichten sehen und man kann sie auch auf Internetseiten anzeigen lassen. Im Grunde wird der Dienst also fast genauso verwandt wie SMS, nur kann jeder mitlesen. Hier vom Kollegen Weidner eine Liste der twitternden Rüsselsheimer.

So funktioniert also twitter technisch und ich setzte obigen tweet (so heisst eine einzelne twitter-Nachricht) vor einigen Tagen ab und dadurch kam es, dass ich Freitag Vormittag Besuch von offizieller Stelle erhielt – und eigentlich in erster Linie gar nicht ich, denn zunächst ging es im Gespräch darum, herauszufinden, wer denn in der auf dieser Seite hier am rechten Rand dargestellten “public timeline” meiner tweets womöglich der Verfasser des zu diskutierenden tweets war. Die “public timeline” sind die Nachrichten im zeitlichen Ablauf und es werden auch Nachrichten der Personen dargestellt, die mir antworten oder mir etwas mitteilen.

Die Zuordnung der Personen war also verwirrend und ich klärte auf: der tweet ist meiner. Die gedankliche Seifenblase vom linken Widerstandsnest :-) muß wohl ob meiner soliden Erscheinung quasi in der selben Sekunde schon wieder zerplatzt sein, die beiden Offiziellen waren jedenfalls zum Glück im Gespräch weiterhin bestimmt, aber freundlich, eben wie man sich das so vorstellt. Geschätzt etwa 65% der gesamten Gesprächszeit haben wir dann mit einer Einführung in den Dienst twitter verbracht: was bedeutet das ‘@’ vor einem Namen (damit spricht man einen anderen twitter-Nutzer an), was sind ‘#’ hashtags wie zum Beispiel #nononono (das steht einfach für 4 Mal ‘nein’ und damit für ein innerliches Kopfschütteln), wer kann welche Nachrichten lesen und wo können sie überall erscheinen. Ich habe dann noch die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten via twitter-website und Software aufgezeigt und dann war die Mini-Informationsrunde auch schon wieder rum. Und die nachdrückliche Bitte seitens der Offiziellen doch nicht mit Eiern umherzulaufen blieb auch nicht aus, hatte ich aber ja eh nicht vor. Montag müsste ich halt welche für die Plätzchen zu Weihnachten kaufen, denke aber das geht entspannt ab.

Wenn man sich den Tenor der Mehrheit der Texte in diesem Blog durchliest, dürfte eigentlich schon von sich aus und von vorne herein klar sein, dass ich viel eher einem Politiker einer buntgefärbten Partei ein Ei gönnen würde, als einem Unionspolitiker, aber auch für die Buntgefärbten bleibt das ein Theoriekonstrukt.
Und nebenbei habe ich dann noch überlegt, ob ein theoretisches rohes Ei auf einer gepanzerten Limousine überhaupt eine theoretische Sachbeschädigung wäre? Lässt sich ja spätestens mit einem praktischen Schluck Wasser wieder rückstandsfrei abwaschen.

Ich kann mir das Ganze eigentlich nur so erklären: der Schreck der Berlusconi-Bilder muß wohl dem Sicherheitsapparat noch in den Köpfen gesteckt haben und unter diesem Aspekt ist es schon nachvollziehbar, dass man das vorher mal abprüft. Ich schrieb aber ausdrücklich vom Dienstwagen, nicht von der Person. Und ich treffe mich mit Herr Koch gerne mal zum politischen Kaffee mit Gebäck, Voreiernbeschützer braucht er dabei nicht. Das Thema geht damit ins Archiv, weil es eigentlich viel mehr Aufwand produziert hat als angemessen gewesen wäre – “much a do about nothing” und Haken dran.

Wenigstens den Gedanken vom Nachtflugei zu twittern muß aber erlaubt sein, über hundertausenden Bürgern im Rhein-Main-Gebiet wird immer mehr Lärm ausgebreitet und die Entscheidung gegen noch mehr Nachtflüge wurde in Hessen am VGH höchstrichterlich bestätigt! Ich bin kein Flughafenausbaugegner, aber wie viel will man denn den Menschen noch zumuten? Jetzt sollen es mehr Nachtflüge werden und danach werden es irgendwann wieder mehr. So ein tweet ist dann wohl der Beginn von zivilem Ungehorsam und den kennen wir ja schon seit der Antike, also insgesamt: #nononono kann ich da nur sagen.

Fazit

Wenn das zu viel war, ihr aufrechten Demokraten – seid ihr keine.

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