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Events in Rüsselsheim

Heute mal beim Neujahrsempfang des Rüsselsheimer Gewerbevereins gewesen

Neujahrsempfänge sind ja immer lustig, es gibt Reden und Prominenzen und Häppchen, gehste halt mal hin. Nicht ganz leicht da heute am Sonntag Morgen um 10:00 Uhr in Paradeuniform aufzulaufen, weil ich noch etwas Grundrauschen vom Vorabend hatte, der Jetlag versprach dafür aber auch ein wenig Dämpfung bei den vorab schon von einigen Bekannten als recht lang beschriebenen Reden.

Der Präsident

Eröffnet wurde der Rede(n)reigen vom Präsidenten des Gewerbevereins in Rüsselsheim, Herrn Schäfer, und der begrüßte zu aller erst gefühlte 30 Minuten lang alle Würdenträger (das muss man wohl, ne?) und dann natürlich den neuen Oberbürgermeister Patrick Burghardt, formulierte seine besten Wünsche zum Amtsantritt und sprach dann von Ansprüchen und Partnerschaften und Gelegenheiten, Chancen und Risiken, die denn so unmittelbar für unsere Stadt – und freilich *surprise* – für den OB anstünden; alles in allem eine Runde Sache die Rede.
Ich habe mich allerdings heimlich gefragt, wie derbe es denn dem neuen OB wohl schon die ganze Woche (und dann auch noch am Sonntag Morgen in aller Frühe) auf den Sack geht, dass er ständig auf sein jugendliches Alter angesprochen wird – es ist ja nicht so, dass man mit 30 nur eine Gehirnhälfte hätte, und mit Verlaub liebe Mitstreiter, mit 30 funktionieren die Gehirne ja wirklich merklich besser als mit 60[1], denn sie sind ja quasi auf dem Peak[2] ihrer Leistungsfähigkeit.

Der OB

Es folgte mit seiner Ansprache der OB selbst und hat sich gleich zu Beginn erneut nicht an eine weitere Tradition gehalten: er versprach weniger als eine Stunde zu reden und tat’s auch. Seine ein klein wenig hemdsärmelige Art zu reden (Ihr möchtet das vielleicht korrekter auch als ‘politisch-direkte Art’ bezeichnen) führt natürlich vordergründig zu einer gewissen Grundsympathie, sie transportiert darüber hinaus aber auch eine hohe Grundaktivität und damit das, was dieser Tage an allen Ecken der Stadt zu schnuppern ist: die notwendige Tatkraft zum Aufbruch in andere Zeiten, das implizite “Pack’ mer’s an!”.

Da das Thema derzeit hoch rotiert, sprach er freilich auch über das Opelforum und dass man es nicht an die Wand fahren werde (gut, sind wir ja alle dankbar für und hoffen darauf), was mir persönlich in Nachgang allerdings neu war ist, dass auf dem offenbar in Zukunft weiter freiwerdenden Gelände hinter dem Opelforum ein neuer Stadtteil entstehen könne. Aha, kann ja nicht so riesig werden, aber fair enough, Opel gibt anscheinend weitere Flächen frei. Das war ne solide Rede, kein Geschwafel (danke), zackig auf den Punkt – und ist insgesamt auch keine echte Überraschung, der OB ist ja ein Politik-Routinier.

Der Sponsor

Herr Kimmes, Mitglied des Vorstandes bei Opel, war in Vertretung von Karl Stracke anwesend und sprach bei angenehmem Sprechtempo und moderater Lautstärke umso bestimmter über Opel (finde ich nett, diese souveräne Art zu Reden). Über das 150-jährige Jubiläum, über den Ampera, über 3 neue Modellstarts in einem Monat und über Opels wieder stärkere Verbindung zu Rüsselsheim (das findet der Durchschnittsbürger gut, danke). An die Gedanken von OBPB hat er angeknüpft und dann eben die Freigabe weiterer Flächen angekündigt – und obendrein als weiteres kleines Goody die Verlegung des Entrees für Werkstouren und Schulungen in die Nähe des neuen Opelforums in Aussicht gestellt.
Und Herr Kimmes (gebürtiger Wiesbadener) hat auch gesagt, er komme immer gerne nach Rüsselsheim, da habe ich mich ein klein wenig nachdenklich aber ohne Misstrauen gefragt, was – mal angenommen das stimme – wohl der ehrliche Grund dafür sei? Wir werden ihn nicht erfahren.
Obendrein hat Opel wohl auch einen merklichen Beitrag zum Neujahrsempfang geleistet, dafür besten Dank.

Der Fernsehmensch

Ziemlich interessant war der Gastvortrag von Herrn Theveßen, seines Zeichens Leiter der ZDF Hauptredaktion. Beim Thema Terror ist der politisch Interessierte ja wirklich in den letzten 10 Jahren mit Wissen und Analysen brachial befüllt worden, kaum ein Detail das man verpasst hat und die Schlüsse, dass Terror auf der sozialen Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit der später ausführenden Täter basiert sind daher nicht ganz neu, allerdings war der Vortrag spannend aufgebaut & erzählt, mit interessanten Aspekten und nicht gekannten Querverweisen gespickt und als echtes Highlight mit Videos des Journalisten von dessen höchst eigenen Recherchen in Nordafrika und Afghanistan bestückt – echtes Abenteuer-feeling! Und ich mag auch diesen universitären Erzählstil, wirklich sehenswert.

Mmmh

Der einzige echte Downer (und da hat man dann schon so seine Sorgen mit unserer Stadt) an der ganzen Veranstaltung war, dass der gefühlte Altersdurchschnitt bei den Anwesenden bei etwa 1000 Jahren pro Person lag – das mögen ja die Unternehmerpersönlichkeiten gewesen sein, die das Rüsselsheim der letzten 30 Jahre geprägt haben, aber ich fürchte für die nächsten 10 Jahre werden wir andere Personen finden müssen.

Fazit

Geht ruhig mal hin, viele stadtbekannte Menschen waren da, mit Herrn CDU-Weber stand ich zufällig in der Sekt-Warteschlange und habe ihn auch mal kennengelernt, der Theveßen-Vortrag war richtig gut und einen Umtrunk mit angenehmem Gespräch gab’s ohnehin. Da Rüsselsheim ja eigentlich gesellschaftlich recht schnell zu erfassen ist (es gibt nur 200 von 60.000 Leuten, die man sich ernsthaft merken sollte), trifft man immer nette Bekannte beim Sekt und hat einen lustigen Sonntag Morgen. Und die Dixieland-Band war auch ein echter Spass. Also klare Hingehempfehlung.

 

[1]: ich kann uns einen kleinen Hinweis am Rande nicht ersparen, lesen Sie bitte hier http://is.gd/tKCNEu
[2]: meint den Zeitpunkt, bei dem Personen in verantwortlicher Position meist am Ende höherer Ausbildung und dann doch schon mehrjährig erworbener Berufserfahrung stehen

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